Frankreichs Unruhen treffen auf billigeres Öl
In ganz Frankreich protestierten am Wochenende Menschen gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem. Gebäude brannten, Läden wurden geplündert. Die Polizei nahm über 2.000 Menschen fest, am Samstag erlitten mehr als 600 Beamte Verletzungen. Es waren die heftigsten Proteste seit Jahren. Präsident Macron traf sich am Sonntag mit seinen Ministern. In einer Fernsehansprache kündigte er an, dass Behörden notfalls Versammlungen verbieten können.
Für Anleger zählt vor allem der Anleihemarkt. Die Rendite, also der Zins einer Staatsanleihe, kletterte bei zehnjährigen französischen Papieren am Montagmorgen auf 4,85 %. Anfang Oktober lag das Zehn-Jahres-Hoch bei 4,94 %. Gerät ein großes Euro-Land politisch ins Wanken, verlangen Geldgeber höhere Zinsen für neue Schulden. Das verteuert die Finanzierung für Staat und Unternehmen. Zudem kann die Sorge auf andere Euro-Länder übergreifen. Händler von DAX-Futures, also Terminkontrakten auf den deutschen Leitindex, nannten laut Wallstreet-Online die Lage in Frankreich ausdrücklich als Belastung.
Entlastung kam vom Ölmarkt. US-Präsident Trump lockerte Sanktionen und Zölle gegen Russland. Händler rechnen deshalb mit mehr russischem Diesel auf dem Weltmarkt. Die Nordseesorte Brent fiel um rund 1,8 % auf etwa 108 Dollar. Am Freitag hatte sie kurz 110 Dollar erreicht, so viel wie zuletzt im Mai. Ein Ölpreis über 100 Dollar hält den Preisdruck hoch und macht es der US-Notenbank Fed schwerer, die Zinsen zu senken.
Der DAX steckt damit zwischen zwei Kräften. Die heimische Wirtschaft und Rüstungswerte stützen ihn, die Unruhen beim Nachbarn und die Tech-Verluste in den USA bremsen ihn. Vorbörslich lag der Index am Montagmorgen rund 0,2 % unter dem Freitagsschluss von 25.623 Punkten. Die Terminkontrakte auf den S&P 500 zeigten am frühen Morgen dagegen ein Plus von rund 0,8 %.
Was sonst wichtig war
Technologiewerte drücken die Wall Street
Der Nasdaq Composite, ein Index mit vielen Technologiekonzernen, fiel am Freitag um 2,14 % auf 26.140 Punkte. Das ist der tiefste Stand seit vier Wochen. Laut dpa-AFX belasteten Sorgen über die Finanzierungskosten der KI-Konzerne und der steigende Ölpreis. Der breite S&P 500 gab 1,09 % auf 7.659 Punkte nach. Der Dow Jones verlor 0,34 % auf 52.002 Punkte.
DHL Group erhöht erneut die Jahresprognose
DHL Group legte am Freitagabend Zahlen zum dritten Quartal vor. Der Umsatz wuchs um 12 % auf 22,6 Milliarden Euro. Das EBIT, also das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern, stieg um 16 % auf 1,71 Milliarden Euro. Den größten Beitrag lieferte das Expressgeschäft. Für 2026 rechnet der Konzern nun mit einem EBIT von über 7,0 Milliarden Euro statt über 6,5 Milliarden Euro. Es ist die zweite Anhebung innerhalb von drei Monaten.
Nikkei fängt frühe Verluste weitgehend auf
Der japanische Leitindex Nikkei 225 startete mit einem Minus von über 2 % in die Woche und sank zeitweise auf rund 63.980 Punkte. Bis zum Handelsschluss holte er einen Großteil auf und beendete den Tag bei 64.917 Punkten, 0,62 % tiefer. Notenbankchef Ueda sagte laut Reuters, die zugrunde liegende Inflation liege sehr nahe am Ziel von 2 %. Das bestärkt am Markt die Erwartung weiterer Zinserhöhungen in Japan.
Gold, Öl und Euro
Gold kostete 4.197 Dollar, ein Plus von 0,37 %, und bleibt nahe seinen Rekordständen. Viele Anleger nutzen das Metall bei unsicheren Zinsen, geopolitischen Spannungen und der Lage in Frankreich als sicheren Hafen. Beim Öl notierte WTI am Montagmorgen bei rund 100 Dollar, Brent bei etwa 108 Dollar. Angriffe auf Tanker am Golf und ein ukrainischer Angriff auf ein russisches Ölterminal halten die Risiken für das Angebot bestehen. Der Euro gab um 0,19 % auf 1,12 Dollar nach. Die Unruhen in der zweitgrößten Volkswirtschaft des Euroraums belasten die Gemeinschaftswährung.
Bitcoin und Ethereum
Bitcoin stieg seit dem Freitagsschluss um 0,83 % auf 82.692 Dollar. Ethereum legte um 0,78 % auf 2.427 Dollar zu. Beide Kryptowährungen werden auch am Wochenende gehandelt und hielten sich damit stabiler als die US-Technologiewerte zum Wochenschluss.
Termine
- Dienstag, 20. Oktober: Quartalszahlen von Netflix, Intuitive Surgical und GE Aerospace