Wall Street fällt, Frankfurt steigt
Am Freitag liefen die großen Börsen in entgegengesetzte Richtungen. Der Nasdaq, ein Index mit vielen Technologiewerten, verlor 2,14 % auf 26.140 Punkte. Das war sein größter Tagesverlust seit Wochen. Der breite S&P 500 sank um 1,09 % auf 7.659 Punkte, der Dow Jones um 0,34 % auf 52.002 Punkte. Der DAX legte dagegen um 0,95 % auf 25.622 Punkte zu.
In den USA belasten mehrere Faktoren die Technologiewerte. Die Inflation, also die Teuerung, lag mit 3,7 % über den Erwartungen. Zugleich rückt die Sitzung der US-Notenbank Fed am 27. und 28. Oktober näher. Laut Vorberichten liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung unter 15 %. Schon diese Unsicherheit drückt auf Wachstumsfirmen. Sie erzielen einen großen Teil ihrer Gewinne erst in der Zukunft, und höhere Zinsen senken den heutigen Wert dieser Gewinne.
Europa folgt einer anderen Logik. Die Bundesregierung hob ihre Wachstumserwartung für 2026 auf 1,3 % an. Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur stützen die Konjunktur. Rheinmetall gewann am Freitag 5 % und war damit der stärkste Wert im DAX. Staatlich getragene Nachfrage hängt weniger stark vom Zinsniveau ab.
Der Ölpreis betrifft beide Regionen. Teureres Benzin erhöht in den USA den Inflationsdruck. Europäische Unternehmen zahlen mehr für Energie in der Produktion.
Was sonst wichtig war
Netflix vor den Quartalszahlen
Netflix berichtet am Dienstag, 20. Oktober, nach US-Börsenschluss über das dritte Quartal. Analysten rechnen laut TipRanks, MarketBeat und Benzinga mit einem Gewinn je Aktie von 0,82 Dollar und rund 12,87 Milliarden Dollar Umsatz. Das Unternehmen plant eine operative Marge von 33,2 %, also den Anteil des Umsatzes, der nach den laufenden Kosten als Gewinn bleibt. Vorab strich Netflix rund 1.000 Stellen und verlagert Mittel zu Live-Sport und Werbung. Die Aktie liegt seit Jahresbeginn leicht im Minus. Der Bericht gilt als Stimmungstest für die Tech-Branche.
Ölpreis wieder über 100 Dollar
WTI stieg am Freitag um 3,5 % auf etwa 101,41 Dollar. Auslöser waren US-Lagerdaten mit dem stärksten Abbau seit Februar. Die Internationale Energieagentur IEA beschloss, weitere 100 Millionen Barrel aus strategischen Reserven freizugeben, also aus staatlichen Notvorräten. Den Anstieg bremste das bisher nicht. Der Iran-Konflikt hält das Angebot knapp. Damit bleibt Öl ein zentraler Inflationstreiber und ein wichtiger Faktor für die Zinsentscheidung der Fed.
Deutschland: mehr Wachstum, mehr Pleiten
Die Bundesregierung erwartet für 2026 nun 1,3 % Wachstum statt 0,5 %, für 2027 rechnet sie mit 1,1 %. Exporte und Staatsausgaben tragen den Aufschwung. Laut KPMG erreichten die Firmeninsolvenzen im ersten Halbjahr den höchsten Stand seit 13 Jahren. Die Inflation lag im September bei 3,3 % und belastet den Konsum. Der DIHK warnt, dass der Aufschwung ohne Strukturreformen nicht anhält. An der Börse profitieren vor allem Rüstung und Infrastruktur, konsumnahe Branchen stehen unter Druck.
Japan: Futures unter dem Schlussstand
Der Nikkei 225 stieg am Freitag um 1,39 % auf 65.324 Punkte, nachdem er am Donnerstag um 4,9 % eingebrochen war. Die Woche schloss er mit einem Minus von 5,37 %. Futures, also Terminkontrakte auf den Index, notierten am Freitagabend bei rund 63.600 Punkten. Dieser Abstand zum Schlussstand weist auf einen schwachen Wochenstart in Asien hin.
Gold, Öl und Euro
Gold kostete zum Wochenschluss 4.181 Dollar, ein Plus von 0,26 %, und liegt damit nahe seinen Rekordständen. Die Zinsunsicherheit vor der Fed-Sitzung und die Spannungen im Nahen Osten stützen den Preis. Öl der Sorte WTI notiert bei rund 101,41 Dollar. Der Euro stieg um 0,16 % auf 1,12 Dollar. Ihn stützen die Erholung in der Eurozone und die offene Zinsfrage in den USA. Ein festerer Euro schmälert Erträge in Dollar nach dem Umtausch in Euro.
Bitcoin und Ethereum
Bitcoin notierte zuletzt bei 81.601 Dollar, ein Plus von 0,27 %. Ethereum stieg um 0,39 % auf 2.409 Dollar. Bitcoin hielt sich damit besser als die Technologiewerte an der Wall Street. Beide Kryptowährungen werden auch am Wochenende gehandelt und zeigen so vor Montag, wie risikofreudig Anleger gestimmt sind.
Termine
- Sonntag, 18. Oktober, ab etwa 19 Uhr: Nikkei-Futures und asiatische Vorbörse zeigen die Richtung für den Wochenstart
- Dienstag, 20. Oktober: Quartalszahlen von Netflix nach US-Börsenschluss
- Dienstag, 20. Oktober: Quartalszahlen von Intuitive Surgical und GE Aerospace
- Dienstag, 27., und Mittwoch, 28. Oktober: Zinssitzung der US-Notenbank Fed