Die US-Inflation entscheidet über den nächsten Zinsschritt
Am Mittwoch um 14:30 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht die US-Statistikbehörde BLS die Verbraucherpreise für September. Analysten erwarten im Schnitt, dass die Inflation, also der Anstieg der Lebenshaltungskosten, im Jahresvergleich von 3,4 % auf 3,6 % zulegt. Für den Monat allein rechnen sie mit einem Plus von 0,6 %. Die Kerninflation, bei der schwankende Posten wie Energie herausgerechnet sind, soll von 2,4 % auf 2,5 % steigen.
Den Anstieg treibt vor allem Energie. Die Spannungen in der Straße von Hormus haben den Ölpreis nach oben geschoben. Für die US-Notenbank Fed ist die Zahl der wichtigste Datenpunkt vor ihrer Sitzung am 27. und 28. Oktober. Im September hob sie den Leitzins, also den Zins, zu dem sich Banken bei ihr Geld leihen, auf 3,75 bis 4,00 % an. Es war die erste Erhöhung seit 2023. Liegt die Inflation über 3,6 %, wächst laut den Marktbeobachtern von FXStreet die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Schritts.
Die Daten wirken direkt auf Anleiherenditen, also die Zinsen von Staatsanleihen, sowie auf den Dollar und die Aktienkurse. Am Dienstag hielten sich die Anleger deshalb zurück. Der S&P 500 schloss mit 7.805,45 Punkten fast unverändert und knapp unter seinem Rekordhoch. Der Dow Jones gab 0,35 % auf 51.670,10 Punkte nach, die Nasdaq verlor 0,15 % auf 27.204,38 Punkte.
Was sonst wichtig war
ASML mit Rekordzahlen, Aktie unter Druck
Der Chipausrüster ASML erzielte im dritten Quartal einen Rekordumsatz von 11,7 Milliarden Euro und 5,0 Milliarden Euro Nettogewinn. Die Bruttomarge, also der Anteil des Umsatzes, der nach den direkten Herstellungskosten bleibt, lag bei 57,5 %. Der Gewinn je Aktie von 12,95 Euro übertraf die Schätzungen der Analysten um rund 21 %. ASML verkaufte 113 Lithografie-Systeme und hob die Umsatzprognose für das Jahr auf 44 bis 45 Milliarden Euro an. Für das vierte Quartal stellt der Konzern 14,2 bis 15,2 Milliarden Euro in Aussicht. Trotzdem fiel die Aktie im regulären US-Handel um 1,9 % und nachbörslich um weitere 2,3 % auf 1.679 Dollar. Auf Tradegate verlor sie nachbörslich 3,3 %. Nach dem kräftigen Anstieg der Halbleiterwerte in den vergangenen Monaten waren die Erwartungen entsprechend hoch. Am Donnerstag berichtet TSMC.
US-Großbanken schließen erste Berichtswelle ab
Bank of America und Morgan Stanley legen heute vor dem US-Börsenstart ihre Zahlen vor. Am Dienstag hatten bereits JPMorgan, Goldman, Wells Fargo und Citi berichtet. Für Bank of America erwarten Analysten 1,11 Dollar Gewinn je Aktie und rund 30,6 Milliarden Dollar Umsatz. Bei Morgan Stanley liegt die Schätzung bei 2,94 Dollar je Aktie und 20,2 Milliarden Dollar Umsatz. Die Gewinnschätzung für Morgan Stanley sank in den vergangenen 30 Tagen um 7 %. Im Blick stehen die Qualität der Kredite und der Nettozinsertrag, also die Differenz zwischen eingenommenen und gezahlten Zinsen.
DAX kommt nicht voran
Der DAX beendete den Dienstag mit 25.259,90 Punkten und einem Minus von 0,10 %. Siemens Energy verlor 2,5 %, zudem drückten hartnäckig hohe Inflationsdaten aus Deutschland auf die Stimmung. Der Index liegt rund 5 % unter seinem Höchststand der vergangenen 52 Wochen. Laut Saxo bewegt sich der Markt seit 17 Handelstagen in einer vorsichtigen Phase.
China exportiert viel, konsumiert wenig
China meldete für September einen Handelsüberschuss von 133,5 Milliarden Dollar und übertraf damit die Erwartungen. Gleichzeitig zogen die Erzeugerpreise an, also die Preise, die Fabriken für ihre Waren verlangen. Die Verbraucherpreise blieben dagegen schwach. Laut Newsquawk steigen damit die Kosten der Produktion, ohne dass die Nachfrage der Konsumenten mithält. Deutsche Exporteure verkaufen viel nach China, die schwache Kauflust dort belastet daher die Industriewerte im DAX.
Gold, Öl und Euro
Gold gab um 0,05 % auf 4.175,10 Dollar nach, viele Marktteilnehmer warten die Inflationsdaten ab. WTI verteuerte sich um 0,7 % auf rund 94,30 Dollar, Brent kostete rund 106 Dollar. Auslöser war die Ankündigung iranischer Offizieller gegenüber Reuters, die Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus zu verstärken. Durch diese Meerenge läuft rund ein Fünftel des weltweiten Öltransports, in der Vorwoche zählten Beobachter dort elf Angriffe. Die OPEC+ erhöhte ihre Förderung im September zwar um 900.000 Barrel pro Tag, die Sorge um die Versorgung wog jedoch schwerer. Der Euro legte um 0,05 % auf 1,12 Dollar zu.
Bitcoin und Ethereum
Bitcoin stieg um 0,34 % auf 83.374 Dollar. Nach dem Rückgang unter 90.000 Dollar in den vergangenen Wochen bewegt sich der Kurs in einer engen Spanne. Ethereum gewann 0,23 % auf 2.501,87 Dollar. Beide richten sich derzeit eher nach den Konjunkturdaten als nach eigenen Impulsen. Höhere Zinsen gelten als Belastung, weil sichere Anlagen dann mehr abwerfen.
Termine
- Mittwoch, 14. Oktober: 14:30 Uhr: US-Verbraucherpreise für September, erwartet werden 3,6 % Inflation und 2,5 % Kerninflation
- Mittwoch, 14. Oktober: Vor dem US-Börsenstart: Quartalszahlen von Bank of America und Morgan Stanley
- Donnerstag, 15. Oktober: TSMC legt die Zahlen für das dritte Quartal vor
- Dienstag, 27. Oktober, und Mittwoch, 28. Oktober: Sitzung der US-Notenbank Fed mit Zinsentscheid