Die Sunk Cost Fallacy, auf Deutsch auch „Versunkene-Kosten-Effekt“, beschreibt ein psychologisches Phänomen. Jemand trifft eine schlechte Entscheidung und erleidet dadurch Verluste. Doch statt sich von diesem Investment zu trennen und sich einzugestehen, dass es unklug war, fühlt sich die Person mit ihrem Investment verbunden.
Sie kann sich emotional nicht lösen. Obwohl alle Anzeichen darauf hindeuten, dass das Investment weiter fallen und ihr schaden wird, bleibt sie dabei. Häufig investiert sie sogar noch mehr.
Die Person glaubt, durch mutigere Schritte ihre schlechte Entscheidung zu retten. Das ist fatal. Genau an diesem Punkt kann alles außer Kontrolle geraten.
Der Denkfehler steckt in jedem Lebensbereich
Interessanterweise gibt es dieses Phänomen nicht nur bei Aktien oder Kryptowährungen, sondern bei jeder Form des Investments. Investments in dich selbst, in Beziehungen, in Menschen, in Unternehmen, im Beruf, in Immobilien und so weiter.
Ein bekanntes Beispiel aus der Politik ist das Überschallflugzeug Concorde. Großbritannien und Frankreich finanzierten es über Jahre weiter, obwohl absehbar war, dass es sich wirtschaftlich nicht tragen würde. Zu viel Geld steckte schon drin. Deshalb nennen manche Psychologen den Effekt auch Concorde-Effekt.
Der Grund, warum Menschen so handeln, liegt unter anderem in Scham. Viele glauben, sie müssten sich schämen, wenn sie von ihrer früheren Entscheidung abweichen oder eine schlechte Entscheidung eingestehen. Dabei sind die erfolgreichsten Menschen der Welt in der Lage, ihre Situation jederzeit neu zu bewerten und eine rationale Entscheidung zu treffen.
Die Sunk Cost Fallacy ist die Garantie für hohe Verluste, im Leben und als Investor. Lerne, damit umzugehen und dich davon zu lösen.
Ein Beispiel mit Zahlen
Nimm an, du kaufst 100 Aktien eines Unternehmens zu je 50 €. Du investierst also 5.000 €. Ein Jahr später meldet das Unternehmen sinkende Umsätze, verliert einen wichtigen Kunden und streicht die Prognose. Der Kurs fällt auf 30 €. Deine Position ist nur noch 3.000 € wert.
Jetzt kommt der Gedanke: „Wenn ich jetzt verkaufe, habe ich 2.000 € verloren. Ich warte, bis ich wieder bei 50 € bin.“ Oder sogar: „Ich kaufe für weitere 3.000 € nach, dann sinkt mein Einstiegspreis auf 40 €, und ich bin schneller wieder im Plus.“
Beide Gedanken drehen sich um die 2.000 €, die schon weg sind. Für deine nächste Entscheidung spielen sie keine Rolle. Die 2.000 € bekommst du nicht zurück, egal was du jetzt tust. Der Markt weiß nicht, zu welchem Preis du gekauft hast, und es ist ihm auch egal.
Die einzig sinnvolle Frage lautet: Würdest du heute mit 3.000 € genau diese Aktie zu genau diesem Preis kaufen, mit allem, was du jetzt weißt? Wenn ja, kannst du sie behalten. Wenn nein, ist Halten nichts anderes als ein täglicher Neukauf einer Aktie, die du eigentlich nicht willst. Und Nachkaufen ist dann der Versuch, eine frühere Entscheidung zu retten, statt eine neue gute zu treffen.
Das Gleiche gilt für jede Kryptowährung, jede Immobilie und jedes Projekt in deinem Unternehmen.
Wie kannst du die Sunk Cost Fallacy vermeiden?
Mach dir bewusst, dass du in jedem Moment die bestmögliche Entscheidung getroffen hast und es einfach nicht besser wusstest.
Stell dir vor, du hast bestimmte Informationen zu einem Investment erhalten. Du bewertest sie, wägst die Risiken ab und triffst dann eine Entscheidung. In diesem Moment hast du mit deinen damaligen Fähigkeiten und den damals verfügbaren Informationen die bestmögliche Entscheidung getroffen.
Stellt sich danach heraus, dass sie doch nicht so gut war, dann liegt das daran, dass neue Informationen oder Gedanken dazugekommen sind. Erst sie haben dazu geführt, dass du im Nachhinein erkennst, dass die Entscheidung nicht optimal war. Zum Zeitpunkt deiner ersten Entscheidung lagen dir diese Informationen nicht vor. Deshalb musst du dich auch nicht im Nachhinein dafür schämen oder ärgern.
Mit diesem Gedanken sollte sich deine natürliche Scham etwas lösen. Hör auf, dich fertigzumachen und sauer auf dich selbst zu sein. Jetzt hast du die Chance, etwas zu verändern und daraus zu lernen.
Die neue Lage nüchtern bewerten
Wenn du das mental überwunden hast, wird es Zeit, die aktuelle Situation zu beurteilen.
Wer emotional ist, versucht seine schlechte Entscheidung noch zu verstärken, indem er noch mehr investiert. Man möchte vor anderen Leuten nicht dumm aussehen. Doch wenn du gerade erkannt hast, dass die Entscheidung vorher nicht ideal war, wird sie nicht besser, indem du noch mehr investierst.
Halte Abstand und überdenke deine neue Entscheidung sehr gut. Tausche dich mit anderen Leuten aus, um Impulse zu bekommen. Es geht nicht darum, dass du tust, was andere sagen, sondern darum, neue Perspektiven von Vorbildern zu sammeln.
Wenn du keine klare Entscheidung treffen kannst, fehlen dir Informationen. Lange zu grübeln und in Gedanken zu kreisen hilft dir nicht weiter.
Drei Fragen, die dir helfen
Überlege dir, was du tun würdest, wenn du jetzt neu starten würdest. Tu das sachlich und rational.
- Was würdest du einer anderen Person in deiner Situation raten?
- Was würde dein Vorbild dir raten?
- Was würdest du dir raten, wenn du dich selbst beraten würdest?
Diese Perspektivwechsel helfen dir, eine gute Entscheidung zu treffen. Wenn du einen Mentor hast, kannst du dich auch mit ihm austauschen und ihn um Rat bitten. Erst wenn du diesen Abstand gewonnen hast, bist du in der Lage, neu zu starten und aus der Sunk Cost Fallacy auszubrechen.
Noch besser ist es, wenn du schon vor dem Kauf festlegst, warum du kaufst und unter welchen Bedingungen du wieder verkaufst. Steht diese Regel vorher fest, musst du im Moment des Verlusts nicht gegen deinen Stolz entscheiden. Du prüfst nur, ob die Bedingung eingetreten ist.